Annuitätendarlehen: Erklärung & Rechner
Wie funktioniert ein Annuitätendarlehen? Zinsen, Tilgung, Sondertilgungen, Vergleich mit Hypothekendarlehen.
Provisionslink, für Sie ändert sich der Preis nicht.
Ein Annuitätendarlehen ist ein Kredit mit gleichbleibender Rate: Sie zahlen jeden Monat denselben Betrag, und darin stecken Zinsen und Tilgung zusammen. Fest ist die Rate für die Dauer der Zinsbindung. Läuft die aus, wird die Rate für die Restschuld neu berechnet.
Für Immobilienfinanzierungen ist das Annuitätendarlehen die gängigste Form. Weil die Rate gleich bleibt, der Zinsanteil aber mit jeder Zahlung sinkt, tilgen Sie Monat für Monat etwas mehr. Sondertilgungen sind möglich, wenn Ihr Vertrag sie vorsieht. Damit verkürzen Sie die Laufzeit oder senken die Restschuld schneller.
Erklärung des Annuitätendarlehens und seiner Vorteile
Konstante monatliche Raten erleichtern die Budgetplanung
Mit einem Annuitätendarlehen wissen Sie genau, was jeden Monat abgeht. Während der Zinsbindung ändert sich an der Rate nichts, egal was die Zinsen am Markt machen. Bei einem Darlehen mit variablem Zins ist das anders: Dort kann die Rate steigen.
Zinsen und Tilgung werden in jeder Rate berücksichtigt
Jede Rate deckt die fälligen Zinsen und zahlt zusätzlich einen Teil des Kredits zurück. Ihr Schuldenstand sinkt also mit jeder Zahlung.
Transparente Kalkulation ermöglicht langfristige Finanzplanung
Da die Rate feststeht, können Sie Ihre Ausgaben über Jahre im Voraus planen. Ein Tilgungsplan der Bank zeigt Ihnen außerdem, wie hoch die Restschuld am Ende der Zinsbindung sein wird. Diese Zahl brauchen Sie für die Anschlussfinanzierung.
Möglichkeit, das Darlehen vorzeitig abzuzahlen
Haben Sie zusätzliches Geld übrig, etwa aus einer Erbschaft, können Sie damit einen Teil der Restschuld oder alles auf einmal zurückzahlen. Das spart Zinsen. Außerhalb vereinbarter Sondertilgungen verlangt die Bank dafür während der Zinsbindung aber meist eine Vorfälligkeitsentschädigung. Rechnen Sie die mit ein, bevor Sie sich entscheiden.
Berechnung des Annuitätendarlehens: Zinsen, Rate und Tilgung
Zinsberechnung basierend auf dem Restbetrag
Die Zinsen berechnet die Bank immer auf die aktuelle Restschuld. Am Anfang ist die Restschuld hoch, also auch der Zinsanteil. Mit jeder Rate sinkt die Restschuld, der Zinsanteil wird kleiner und der Tilgungsanteil entsprechend größer.
Monatliche Rate setzt sich aus Zinsen und Tilgungsanteil zusammen
Ein Beispiel: Sie leihen sich 200.000 € zu 4 % Sollzins und vereinbaren 2 % anfängliche Tilgung. Die Jahresrate beträgt dann 6 % von 200.000 €, also 12.000 €, das sind 1.000 € im Monat. Im ersten Monat entfallen davon 666,67 € auf Zinsen (200.000 € x 4 % / 12) und 333,33 € auf die Tilgung. Im zweiten Monat rechnet die Bank nur noch mit 199.666,67 € Restschuld: 665,56 € Zinsen, 334,44 € Tilgung.
Wer die Rate aus Laufzeit und Zins direkt ausrechnen will, nutzt die Annuitätenformel: Rate = Kredit x qn x (q - 1) / (qn - 1). Dabei ist q = 1 + Zinssatz pro Periode und n die Zahl der Raten. Bei Monatsraten setzen Sie den Monatszins ein, also den Jahreszins geteilt durch 12.
Höhe der Tilgungsrate beeinflusst die Laufzeit
Je höher die Tilgung, desto schneller sind Sie schuldenfrei und desto weniger Zinsen zahlen Sie insgesamt. Dafür steigt die monatliche Belastung. Eine niedrige Tilgung hält die Rate klein, streckt aber die Laufzeit. Wählen Sie die Tilgung so, dass die Rate auch dann noch passt, wenn einmal etwas Unvorhergesehenes kommt.
Vergleich der aktuellen Zinssätze
Niedrige Zinssätze führen zu erheblichen Einsparungen
Bei großen Summen und langen Laufzeiten machen schon Zehntelprozente viel aus. Je niedriger der Zins, desto weniger zahlen Sie insgesamt zurück.
Effektivzinsen für genaue Vergleichbarkeit
Vergleichen Sie Angebote über den effektiven Jahreszins, nicht über den Sollzins. Der Effektivzins enthält neben dem Sollzins die Kosten, die Sie für den Kredit zwingend zahlen müssen. Bereitstellungszinsen sind darin in der Regel nicht enthalten, weil sie davon abhängen, wann Sie das Geld abrufen. Fragen Sie danach gesondert.
Sondertilgungen können Einfluss auf den effektiven Jahreszins haben
Mit Sondertilgungen zahlen Sie außerhalb der regulären Raten zusätzlich zurück, bauen die Schulden schneller ab und sparen Zinsen. Das Recht dazu muss im Vertrag stehen. Manche Banken lassen sich großzügige Sondertilgungsrechte mit einem Zinsaufschlag bezahlen, und der erhöht dann den Effektivzins.
Unterschiedliche Zinsfestschreibungsfristen bieten verschiedene Optionen
Die Dauer der Zinsbindung wählen Sie beim Abschluss. Je länger sie läuft, desto länger sind Sie vor steigenden Zinsen geschützt. Dafür verlangen Banken für lange Bindungen meist einen etwas höheren Zins.
Tipps zur Auswahl eines günstigen Anbieters
Mehrere Angebote einholen
- Online-Recherche: Vergleichsportale zeigen Ihnen schnell, welche Banken infrage kommen.
- Persönliche Beratung: Holen Sie zusätzlich Angebote von Ihrer Hausbank oder einem Baufinanzierungsvermittler ein.
- Vergleich der Konditionen: Schauen Sie auf Effektivzins, Zinsbindung, Sondertilgungsrechte und Bereitstellungszinsen.
Auf versteckte Gebühren achten
- Bearbeitungsgebühren: Pauschale Bearbeitungsentgelte in den AGB hat der BGH 2014 für Verbraucherdarlehen gekippt. Tauchen sie im Angebot auf, fragen Sie nach.
- Kontoführungsgebühren: Für ein reines Darlehenskonto sind sie unüblich. Lassen Sie sich erklären, wofür sie anfallen sollen.
- Vorfälligkeitsentschädigung: Wichtig, falls Sie den Kredit vorzeitig zurückzahlen wollen.
Sondertilgungen und ihre Auswirkungen
Schnellere Rückzahlung dank zusätzlicher Zahlungen
Mit regelmäßigen Sondertilgungen drücken Sie die Restschuld schneller nach unten. Weil die Bank die Zinsen auf die Restschuld berechnet, sparen Sie über die Jahre spürbar Zinsen.
Prüfen Sie vor Vertragsabschluss die Vereinbarung
Lesen Sie vor der Unterschrift nach, wie viel Sie pro Jahr sondertilgen dürfen, ob das etwas kostet und ob nicht genutzte Beträge verfallen.
Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Rückzahlung
Wollen Sie das Darlehen während der Zinsbindung komplett ablösen, etwa weil Sie die Immobilie verkaufen oder umschulden, kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Lassen Sie sich die Höhe vorher ausrechnen. Eine Ausnahme sollten Sie kennen: Zehn Jahre nach der vollständigen Auszahlung dürfen Sie mit einer Frist von sechs Monaten kündigen, ohne Entschädigung (§ 489 BGB). Das gilt auch bei längerer Zinsbindung.
Unterschiede zwischen Annuitätendarlehen und Hypothekendarlehen
Tilgungsanteil in der monatlichen Rate
Die beiden Begriffe beschreiben verschiedene Dinge. "Annuitätendarlehen" sagt, wie Sie zurückzahlen: in gleichbleibenden Raten aus Zins und Tilgung. "Hypothekendarlehen" (heute meist Grundschulddarlehen) sagt, wie der Kredit abgesichert ist: über ein Grundpfandrecht auf die Immobilie. Die meisten Baufinanzierungen sind deshalb beides, also ein Annuitätendarlehen, das über eine Grundschuld abgesichert ist.
Flexibilität hängt vom Vertrag ab
Sondertilgungen, Tilgungssatzwechsel oder Ratenpausen ergeben sich nicht aus der Darlehensart, sondern aus dem einzelnen Vertrag. Vergleichen Sie diese Punkte deshalb Angebot für Angebot.
Steuerliche Behandlung hängt von der Nutzung ab
Auch steuerlich entscheidet nicht die Darlehensart. Entscheidend ist, wofür Sie die Immobilie nutzen: Bei einer vermieteten Immobilie sind die Zinsen als Werbungskosten absetzbar. Bei selbst genutztem Wohneigentum können Sie die Zinsen in der Regel nicht absetzen. Im Einzelfall klärt das eine Steuerberatung.
Fazit
Das Annuitätendarlehen gibt Ihnen eine feste Rate für die gesamte Zinsbindung, und die Schulden sinken mit jeder Zahlung. Genau hinschauen sollten Sie bei drei Punkten: der Höhe der Tilgung, den Sondertilgungsrechten und der Restschuld am Ende der Zinsbindung. Die Restschuld entscheidet, wie viel Sie später noch zu welchem Zins finanzieren müssen.
FAQs
Kann ich meine monatliche Rate ändern?
Während der Zinsbindung bleibt die Rate gleich, es sei denn, Ihr Vertrag erlaubt einen Tilgungssatzwechsel. Spätestens bei der Anschlussfinanzierung können Sie Rate und Tilgung neu festlegen.
Was passiert bei vorzeitiger Rückzahlung?
Möglich ist sie fast immer. Während der Zinsbindung verlangt die Bank dafür aber meist eine Vorfälligkeitsentschädigung, außer Sie nutzen vereinbarte Sondertilgungen oder das Kündigungsrecht nach zehn Jahren.
Gibt es spezielle Förderprogramme?
Ja, zum Beispiel von der KfW für Familien oder energieeffizientes Bauen und Sanieren. Welche Programme für Sie passen, erfahren Sie bei Ihrer Bank oder direkt bei der Förderbank.
Wie lange dauert die Zinsbindung?
Das legen Sie im Vertrag fest. Üblich sind 5 bis 20 Jahre, manche Banken bieten auch bis zu 30 Jahre an.
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